**** – Willenbrock von Christoph Hein

Pressenotiz zu : Die Zeit, 21.06.2000
Der erste Eindruck, den man von Christoph Heins neuem Roman bekommen könnte, täusche. Die „genüssliche Langsamkeit“ der Schilderung des Gebrauchtwagenhandels habe, so Rezensent Gustav Seibt, mit der Wiedergeburt des sozialistischen Realismus wenig zu tun. Sie bilde nur das beinahe beliebige Material, in das hinein Hein eines seiner typischen abstrakten Denkspiele inszeniere. Vom Gebrauchtwagenhandel führe der Roman über die Andeutung einer Kriminalhandlung zuletzt ins „Zeichenhafte und Allegorische „. Verhandelt werde die akute Bedrohung der Zivilisation durch Gewalt und Barbarei, die aus dem Osten kommen, und in der Figur eines waffendhändlerischen Russen satanisch-allegorische Gestalt werden. Gustav Seibt ist sich nicht sicher, wie wörtlich die Botschaft gemeint ist, findet aber viele lobende Worte für den Kunstverstand des Autors, die „düster-schwarze, kalt-glänzende“ Poesie dieses Romans.

Meine Kritik: Ich liebe Christoph Hein, wenn er über den Alltag schreibt. Seit ich „Der fremde Freund“ gelesen habe ich ich begeistert von seinen Romanen. So auch hier: Ein Autohändler, der durch den Aufschwung Ost gut Geld macht gerät durch einen Überfall aus dem Gleichgewicht. Das ist nur zu kurz beschreiben wie Hein sich seinem Helden nähert, man erfährt wie sein Leben im Osten war und wie er es jetzt schafft durch Fleiß aber auch durch die Kaufwut im Osten (in diesem Fall: Polen und Rußland) sein Auskommen zu sichern. Er finanziert die Boutique seiner Frau mit und leidet mit ihm wenn er die Verwandten besuchen muss. Doch bei einem Überfall in seinem Wochenendhaus wird er verletzt und nicht nur äußerlich, innen ist er stärker angekratzt als er zugibt und die Mühlen der Bürokratie mahlen ihm zu langsam bis gar nicht. Er weiß mit seiner Wut und seiner Angst nicht wohin. Als er ein Schießeisen zugesteckt bekommt, kommt es wie es kommen musste, er schießt…

Ein spannender, lesenswerter Roman, die Geschichten um die Boutique und der Ausbau des Autohauses kann man überlesen. Deshalb nur vier von fünf Sternen.

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